Le Vélo: Vintage-Bikes – handgemacht mit Herz

Höher, schneller, weiter – dieser Optimierungs-Dreiklang mag gerade im Radsport für viele gelten. Senad Sarac kann mit ihm so gar nichts anfangen. Mit ruhiger Stimme erzählt der 39-Jährige von seiner Leidenschaft, die zum Beruf geworden ist: Seit 2013 hat sich Senad zusammen mit seinem älteren Bruder auf die Aufarbeitung antiker Zweiräder spezialisiert. „Unser Konzept ist die Liebe zum alten Fahrrad“, sagt er.

Folgerichtig findet man bei „Le Vélo“ nur echte Unikate aus den Jahren 1880 bis 1950 – vom italienischen Bianchi-Rennradrahmen der 20er Jahre über Polizeiräder oder ein Schweizer Postfahrrad. Jedes steht für sich, keines gleicht dem anderen.

Nur eines haben alle Bikes aus der „Le Vélo“-Manufaktur gemeinsam: Als Hommage an die goldene Zeit der Fahrräder haben tatsächlich alle eine goldene Kette. Und als Zugeständnis an die Moderne eine Gangschaltung und eine moderne LED-Beleuchtung, die in die jeweils zum Baujahr passende historische Lampe eingearbeitet wurde. Generell wird neueste Technik so verbaut, dass sie erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen ist: GPS-Systeme etwa werden im Rahmen versteckt, ebenso iPhone-Ladestationen.

Woher die traditionsreichen Räder ursprünglich stammen? Senad findet sie in Schuppen, auf Dachböden oder bei Trödlern. Einige haben über die Jahre ziemlich gelitten, lagen etwa im Elbschlamm oder standen im feuchten Hamburger Schmuddelwetter. Aber: Selbst wenn der Rahmen eines der alten Schätzchen für unkundige Augen schrottreif aussehen mag – Senad baut ihn in seiner Werkstatt in Ottensen auseinander, zerlegt ihn in seine Einzelteile, röntgt ihn, damit kein Haarriss unentdeckt bleibt. Im nächsten Schritt schleift er die Oberflächen, behandelt sie behutsam mit Rostumwandlern und speziellen Stabilisierungslacken, damit die alte Patina erhalten bleibt.

Und wenn Ersatzteile fehlen – etwa weil sie gar nicht mehr hergestellt werden? „Dann bauen wir sie nach“, erklärt Senad. „Natürlich stilgerecht und mit dem technischen Equipment, das zu den Blütezeiten der Räder zur Verfügung stand.“ Die Felgen etwa, die neu nach historischem Vorbild entstehen, werden auf der Originalmaschine aus den Dreißigerjahren produziert. Alle neu erstellten Ergänzungsteile entstehen – bis zur kleinsten Messingschraube – in reiner Handarbeit. „Nichts ist normiert oder wird in Serie gemacht“, betont Senad. So werden auch die Pedale und Handmuffen aus verschiedenen Hölzern selbst gedrechselt und mit Leder im englischem Sattlerstich ergänzt.

So viel Liebe zum Detail, so viel Qualität hat ihren Preis. Je nach Seltenheitswert und Aufwand der Individualisierung kosten die alten, neuen Räder ab 1.300 Euro. Günstiger sind Restaurierungen, die bei Senad ebenfalls in Auftrag gegeben werden können. Fest steht: Alle Bikes, die den Shop verlassen, sind echte Kunstwerke.

Neugierig geworden? Dann nichts wie ab ins Hanseviertel! Der Fahrradladen in den Großen Bleichen ist Café und Verkaufsraum zugleich. Bike-Fans können hier mit den Reparatur-Experten schnacken, in coolem Ambiente leckeren Cappuccino und frische Kuchen genießen. Falls das Geld noch nicht fürs eigene „Le Vélo“ reicht, gibt’s auch handgefertigtes Equipment wie Flaschenträger und Rahmentaschen aus Vintage-Leder oder Fahrradkörbe aus alten Weinkörben der Zwanziger- und Dreißigerjahre – wie alles in der Tradition alter Handwerkskunst mit viel Ruhe und Liebe gefertigt.

Le Vélo – Fahrradladen & Café
Große Bleichen 36
20354 Hamburg
www.levelo-bikes.de

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10.00-20.00 Uhr

Ab März eröffnet wieder der Sommerladen mit Außenbestuhlung:

Im Ladage & Oelke
Alsterarkaden 11
20354 Hamburg

Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 10.00 – 19.00 Uhr und Sa. 10.00 – 18.00 Uhr