Aktion: Eure schönsten StadtRAD-Stories

Ende Januar haben wir euch gebeten, uns eure ganz persönlichen Geschichten aus zehn Jahren StadtRAD zu erzählen. Was ist euch Lustiges, Aufregendes, Besonderes oder auch Blödes passiert?!
Aus den Einsendungen, die wir bekommen haben, stellen wir euch hier unsere Top 3 vor (in etwas gekürzter Version):

Story 1 von Martin W. aus Eimsbüttel

„Es geschah am Abend der Goldenen Kamera im Jahr 2018. Um mit ein paar Freunden ein Feierabend-Bierchen zu trinken, fuhr ich mit einem StadtRAD von Richtung Grindel zur Feldstraße. Als ich an der Messehalle vorbeikam, fielen mir die vielen Leute und Rufe auf. Ich wollte wissen was los ist uns schaute während des Fahrens in Richtung Messehalleneingang. Dort riefen die Fotografen die Namen der Promis und erst dann fiel mir ein, dass das die Verleihung der Goldenen Kamera sein müsste.

Im gleichen Moment fuhr ich mit relativ hohen Tempo über eine Stromkabelabdeckung, die über den Fahrradweg gelegt wurde. Diese war recht hoch, das StadRAD machte einen ordentlichen Satz – und ich flog im hohen Bogen vorne über den Lenker auf die Straße. Das Fahrrad lag über mir. Besucher und Security-Leute kamen an und fragten, ob alles in Ordnung sei. Ich war ziemlich geschockt und meinte nur „Jo jo, alles gut!“. Ich bin sofort weitergefahren. „Bloß weg hier!“, dachte ich. Nicht, dass noch jemand mit einer Kamera ankommt.

Das StadtRAD blieb zum Glück unversehrt (glaube ich zumindest). Als ich an der Feldstraße ankam, merkte ich doch Schmerzen und sah, dass mein Handschuh kaputt war, meine Hand und mein Knie bluteten. Die Schanzenbäckerei versorgte mich netterweise mit Pflastern und Tüchern, und nach ein paar Tagen war alles wieder verheilt.“

— Tolle Geschichte, lieber Martin! Unser Tipp: Augen lieber auf die Straße richten als auf Promis 🙂

Story 2: Jörg M. aus St. Pauli

Als regelmäßiger-Nutzer der ersten Stunde hat Jörg viele StadtRAD-Geschichten erlebt. Besonders in Erinnerung blieb ihm sein „Rund-um-Hamburg-Zeitfahren“.

„Fahrten unter 30 Minuten sind bei StadtRAD ja bekanntlich kostenfrei. Das brachte mich auf eine etwas komische Idee. Mein Plan: Vom südlichsten Ausleihpunkt fast direkt vor meiner Haustür auf der Elbinsel Wilhelmsburg erst zum östlichsten beim Otto-Versand, dann zum Stations-Nordpol Stellingen, weiter an den Standort, der Amerika am nächsten liegt, zurück zu meinem Startplatz beim IBA-Gelände. Und das ohne einen Cent zu bezahlen. Eine sportliche Herausforderung.

Mein Zeitfahren beginnt um Punkt zwölf Uhr mit dem Rad Nummer 7626. Über die Veddel und Rothenburgsort, durch Hamm und Hohenfelde nach Uhlenhorst und Mundsburg. Von der Station am Otto-Versand zur City-Nord, nach Alsterdorf und zur Station am Zoo Hagenbeck. Durch Eimsbüttel, über die Osterstraße nach Altona. Über die Kieler Straße auf die Stresemannstraße, unterm Bahntunnel durch nach links in die Kohlentwiete bis hin zur Station in der Völckerstraße. Über die Elbchaussee und durch den Donnerspark geht’s runter zur Elbe. Die Station Neumühlen ist die westlichste der insgesamt 129 Hamburger Radstationen (zu der Zeit, Anm. d. Red.) – und eine der schönsten überhaupt. Wo sonst gibt es einen spektakulären Blick auf auslaufende Containerriesen? Als nächste Station habe ich den Fischmarkt angepeilt. Das sind nur wenige Kilometer und hat taktische Gründe. Da die Strecke zurück nach Süden durch den Alten Elbtunnel führt und das Teilstück nach Wilhelmsburg zu den längeren gehört, will ich mich mit möglichst großem Zeitbudget auf die Reise machen. Darum stoppe ich am Fischmarkt nochmals für die „Rückgabe-Neuausleihe-Prozedur“. Durch Hafengebiet komme ich flott vorwärts, passiere erst die Ellerholzbrücke, dann die Ernst-August-Schleuse. Es geht zum Endspurt durch die Weimarer Straße.

Nur noch wenige Meter, und ich bin wieder an meinem Startplatz angekommen. Nur elf Minuten. Elf Minuten, um von der alten in neue Mitte Wilhelmsburgs zu gelangen. Ich gebe mein Rad zurück und lege mich erstmal auf die Wiese nebenan. Durchschnaufen. Was für eine Tour. Dreieinhalb Stunden hat sie gedauert. Zehn Stadtradstationen bin ich angefahren, habe meinen treuen Begleiter 7626 zehn Mal ver- und wieder entriegelt. Mein GPS-Empfänger verrät: 51 Kilometer habe ich absolviert. Mein höchstes Tempo betrug 36,2 km/h. Die höchste Erhebung knapp 40 Meter.“

— Eine ganz tolle Leistung, Jörg! Und eine klasse Idee! Wer weiß, vielleicht sind wir beim nächsten Mal dabei 🙂

Jörgs StadtRAD-Geschichte haben wir etwas mehr als die beiden anderen gekürzt. Wer den ganzen Bericht lesen möchte, kann das auf seinem Blog „St. Pedali“ tun.

Story 3: Tobias R. aus Harburg

„Wenn ich von November bis Ende Februar mit meinem Fahrrad aus den Harburger Bergen zu meiner Arbeit in der Hafencity fahre, dann bietet sich mir eigentlich jeden Morgen das gleiche Bild: die Radwege sind so leer wie das Punktekonto vom HSV in der letzten Saison. Und neben mir auf der Straße sitzt in fast jedem Auto eine einzelne Person und pustet Liter um Liter durch den Auspuff. Zu meinem Unmut nutzen viele ihr Auto und nicht das Fahrrad.

Die Ausreden habe ich schon hundertmal gehört: zu langer Weg, muss schick bei der Arbeit sein, es regnet doch dauernd in Hamburg…. Dabei trifft alles auch auf mich zu: Ich muss ebenfalls schick sein, und die 22 Kilometer pro Strecke sind auch kein Pappenstiel.

Manchmal macht mich es echt traurig, dass so wenig Menschen zum Wohle einer besseren Umwelt handeln. Doch an einem Morgen Mitte Februar ist irgendetwas anders. Es ist noch etwas dunkel und vor mir auf dem Radweg neben der Wilhelmsburger Reichstraße leuchtet ein rotes Lämpchen hinter dem anderen. Kurz bin ich verwirrt. Doch dann schließe ich auf zu einem der Radfahrer, der auf seinem StadtRad in Richtung Wilhelmsburg strampelt. „Na, Schienenersatzverkehr oder Strecke gesperrt?“ frage ich ihn. „Feuerwehreinsatz und Strecke gesperrt“ erzählt er mir etwas außer Atem. „Aber irgendwie ist es ja auch schön, mit dem Fahrrad zu fahren“ fügt er lachend hinzu. Ich lache zurück und antworte: „Das mache ich jeden Tag und kann es dir nur wärmstens empfehlen!“ Dann beschleunige ich und fahre weiter.

Als ich nach Feierabend den Rückweg antrete, ist die Strecke so leer wie immer zu dieser Jahreszeit. Und auch wenn ich es genieße, jetzt freie Fahrt zu haben: Ich fände es schöner, wenn es auch heute Abend wieder voll mit kleinen roten StadtRad-Lämpchen wäre. Denn dann hätte ich ein klein wenig Hoffnung, dass irgendwann doch noch ein paar Menschen mehr ihr Auto stehen lassen und in Zukunft häufiger mit dem Fahrrad fahren. Auch ohne Sperrung.“

— Danke für diese schöne Geschichte, Tobias! Wir hoffen mit dir!

Als kleines Dankeschön bekommen Martin, Jörg und Tobias 15 Euro-Fahrtguthaben für StadtRAD Hamburg.